VOR 5 WOCHEN BIS JETZT – EINE BILANZ

Noch sitzen wir müde und mit schmerzenden Füßen in unseren undordentlichen Zimmern. Um uns rum Papiertüten mit glitzernden Papierschnipseln an Schnur drin, leere Kartons und verknotete Lichterketten, der Kopf ist voll aber ab und zu können wir nicht anders, als mit einem stillen Lächeln ein A5 großes Buch mit Softcover in die Hand zu nehmen und mit dem verrückten Blick einer bestätigten Liebhaberin den Einband zu streicheln. Wie es dazu kam? Fangen wir von vorne an:

vor fünf Wochen – Beginn der Klausurenphase, Ende der viel zu schönen Ferien und vor allem eigentlich längst fälliger Abgabetermin unserer Essay. Wir als MjK-Ladies zeichnen uns u.a. besonders dadurch aus, dass wir so wenig Respekt vor Deadlines haben – man könnte uns für dreist halten! Also schreiben wir Klauren und Essays nebeneinander, verzweifeln aber sind ja auch selbst Schuld. Mit ungefähr 5000 Kommentaren versuchen wir, zusammen das Nachwort zu schreiben. Unsere Lektoren und Lektorinnen arbeiten fleißig, manchmal wird alles wieder verworfen oder die falsche Version wurde lektoriert.

vor vier Wochen – Langes nächtliches Diskutieren, wir suchen den Kostenvoranschlag, manchmal ist alles klar, manchmal gar nicht. Erste PDF-Dokumente werden verschickt, es wird gescannt, wieder gescannt und korrigiert. Wir entscheiden, welches Bild von uns im Kalender zu sehen sein wird – mithilfe einer Doodle-Liste – und ein paar Essays fehlen immer noch.

vor drei Wochen – Der Kostenvoranschlag steht, die Essays jetzt auch. Drei Abende lang das PDF-Dokument auf Fehler durchsuchen, dann feststellen, dass wir an die tausend Euro mehr bezahlen sollen – die Mehrwertsteuer. Der Kalender ist schon weg aber gedruckt wird er nicht. Wir sind genervt, wollen nichts mehr damit zu tun haben, besichtigen einen Partyraum und entscheiden uns dann, aus finanziellen Gründen, gegen die Party. An einem abendlichen Treffen werfen wir auch diesen Plan komplett um. Es heißt jetzt: Dann sind wir eben verschuldet – wir wollen unsere Party!

vor zwei Wochen – Der Kalender wird gedruckt, wir schreiben Buchläden an, schieben ein bisschen Panik wegen dem Cover und entwerfen Plakate. Die Frustration der letzten Woche weicht der Vorfreude. Wir denken viel an letztes Jahr und träumen verrücktes Zeug, wie dass Judith in unsere Whats-App Gruppe schreibt: „Die Jungs von Laserline sagen: ‘Der Kalender sieht komisch aus und kann jetzt abgeholt werden’. Dann kommt der Freitag und es wird klar: Der Kalender kommt zu uns und nicht wir zum Kalender! Ein Auto kommt, lädt die Kisten aus, es wird unterschrieben und ist wieder weg. Wir stehen da, aufgeregt, bis uns klar wird, dass ungefähr sechshundert Kalender fehlen. Also zögern wir das feierliche Öffnen der Kartons hinaus, führen nervige Telefonate, die zuerst zu nichts führen werden, dann stellen wir einen Karton in die Mitte, versammeln uns drumherum, lege alle eine Hand an den Karton und heben den Deckel. Wir sind überwältigt, ehrfürchtig, erleichtert, geschockt, überrascht, ungläubig und voller Liebe für unser kleines Buch, in dem soviel von uns steckt und welches uns dann doch übertreffen konnte. Zwanzig Minuten Zeit für Fotos, zwei Becher Eierlikör, heftiges Umarmen und kommentierendes Durchblättern, dann werden die Girlanden gebastelt.

Samstag vor einer Woche – Die MjK-Ladies mussten sich aufteilen: Zwei gehen brav zur DS-Probe in die Schule und vier fahren zum Abgeordnetenhaus ins Berliner Jugendforum, wo wir einen Stand bekamen, um die Kalender erstmalig unter die Leute zu bringen. Abends wurde eingekauft, wieder in Gruppen aber in anderen Mischungen. Es waren furchtbar peinliche fünfzehn Minuten, die es brauchte, um die ganzen Hartalkohol-Flaschen an der Kasse zu bezahlen und ins Auto zu laden. Wir trafen uns gegen Acht im „montklamott” (unserem Partyraum für diese Nacht) mit einer Mischung aus Euphorie und Aufregung. Während unsere Eltern sich Sorgen machten, Pizza bestellten und Sekt öffneten, hängten wir unsere Girlanden auf, steckten die Musikanlage an, formatierten die Bar und aßen Pizza.

Unsere Nacht dann wurde wahnsinnig schön. Schöner als wir uns es geträumt hätten und auch nicht im geringsten so anstrengend. Es wurde getanzt, gesoffen, geredet, geknutscht, verkauft, Freunde haben sich wiedergesehen und neu gefunden. Ein weiteres Mal müssen wir hier leider erwähnen, wie unglaublich enttäuscht wir sind, dass tatsächlich immer noch Jacken mitgenommen werden, bei Minusgraden draußen hätten wir das echt niemandem zugetraut. Wir hoffen, dass Sie oder Er mittlerweile vor berechtigtem Scham vergeht und die Jacke dann endlich zurück gibt – jemand braucht sie dringend!!!!!

Gegen halb drei mussten wir leider das Feld räumen aber noch als wir beim Aufräumen halbe Limetten durch die Gegend kickten, durch Berlin fuhren, auf der Suche nach einem Flaschenabstellort und später zu zweit oder allein ins Bett gingen, erinnerten wir uns immer wieder daran, wie schön dieser Abend war, wie gut wir das hinbekommen haben und wie glücklich wir sind, umgeben von lauter Menschen, die uns glücklich machen, indem sie mit uns tanzten, tranken, redeten, knutschten und unsere Kalender kauften. Danke!

Seit dem sind wir viel unterwegs und liefern an die Buchläden. Wer jetzt noch keinen Kalender hat, sollte auf unsere Karte sehen und beim nächsten Buchladen einen kaufen. Es läuft alles gut aber wir freuen uns auch, wenn wir die Phase überstanden haben, wo wir viel draußen sein müssen, damit wir uns diese Kälte von Innen ansehen können.

Wir wollen euch nocheinmal danken. Wie es im Nachwort steht, haben wir ganz viel Unterstützung erhalten, die wir sehr schätzen. Jetzt habt eine schöne Adventszeit und lasst uns zusammen auf Schnee hoffen.

Es grüßen mit ganz viel Liebe:

die MjK-Ladies